Solardörfer
Unsere Arbeit in Ostafrika (Äthiopien, Kenia, Uganda) hat sich seit dem Start vor 20 Jahren verändert. Am Anfang ging es vor allem darum, durch den Ersatz von Kerosinlampen durch netzunabhängige Solaranlagen zu beweisen, dass dies eine zuverlässige, bezahlbare und umweltfreundliche Lösung ist.
Zugleich ging es uns aber immer um mehr, als isolierte Kleinprojekte umzusetzen: wir wollten beweisen, dass die Versorgung eines ganzen Dorfes mit Solarenergie technisch sinnvoll, bezahlbar und für die Entwicklung eines Dorfes gewinnbringend ist. In unserem Konzept der Solardörfer erhielten daher zunächst Haushalte, aber auch Handwerk, Schulen, kommunale Gebäude eine Solarstromversorgung. In vielen Solardörfern wurden ferner solare Wasserpumpen oder Straßenlampen installiert. Der nachhaltige Erfolg wurde dadurch sichergestellt, dass vor Ort lokale Techniker für Wartung und Service zuständig sind.
Solche Solardörfer haben dazu beigetragen, dass Solarenergie bei der ländlichen Bevölkerung nicht als Energieform 2. Klasse betrachtet wurde. Manch ein Solardorf hat sich später sogar gegen eine Elektrifizierung mit Netzstrom ausgesprochen, weil die Solarenergie bezahlbar und zuverlässig ist.
Wegweisend war das Konzept der Solardörfer aber auch hinsichtlich der erstmals in Ostafrika eingeführten Bezahlung mittels Kleinkredite: Die Stiftung Solarenergie stellt allen Haushalten als Starthilfe zu einem subventionierten Preis eine Basisstromversorgung mit Solarenergie zur Verfügung: sie besteht aus 2 LED-Lampen sowie der Möglichkeit zur Handyladung. Der von den Haushalten zu zahlende Preis orientiert sich daran, was die ärmsten Familien im Dorf bezahlen können. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass jede Familie eine Basis-Stromversorgung erhält.
20 Solardörfer haben wir seit 2005 verwirklicht.
Unsere Solardörfer:
Äthiopien
- Arso Amba, 4.500 Einwohner (2014)
Film (SWR) - Dire, 4.000 Einwohner (2009)
- Rema, 6.000 Einwohner (2007)
Film (dt.) / Film (engl.) - Kechemober, 150 Einwohner (2005)
Kambodscha
- Chbar Chros, 500 Einwohner (2015)
Kenia
- Barimbate, 3.500 Einwohner (2020)
- Kibera (Nairobi), 600 Einwohner (2017)
Uganda
- Kinabi, 500 Einwohner (2021/2022)
- Buikwe, 500 Einwohner (2021)
- Ruhita, 500 Einwohner (2021)
- Buwagi, 500 Einwohner (2019/2020)
- Nakibano, 500 Einwohner (2019/2020)
- Bududa, 500 Einwohner (2019/2020)
- Rwenjeru, 500 Einwohner (2019/2020)
- Sironko, 500 Einwohner (2017)
- Hima, 500 Einwohner (2017)
- Kinoni, 500 Einwohner (2017)
- Isukwe, 500 Einwohner (2017)
- Luwero, 500 Einwohner (2017)
- Kasozi, 850 Einwohner (2016)
Heute sind Solarprodukte aber in unseren ostafrikanischen Partnerländern weit verbreitet, ihre Möglichkeiten weithin anerkannt und geschätzt. Und das nicht nur in Regionen ohne Stromnetz: Den der Anschluss an das staatliche Stromnetz garantiert keine sichere Energieversorgung, weshalb viele Haushalte und Unternehmen auf Solarenergie als Backup-Lösung setzen.
Allerdings wird der afrikanische Solarstrommarkt beherrscht von nichtafrikanischen Konzernen, die dort ihre Solarprodukte vertreiben, produziert meist in China, finanziert durch Kredite nichtafrikanischer Investoren. Die Wertschöpfung bleibt also weitgehend außerhalb des Kontinents.
So lässt sich jedoch keine tragfähige Solarwirtschaft in Afrika aufbauen. Es braucht mehr afrikanisch geführte Solarunternehmen, Solarproduktionsstätten in Afrika und Investoren, die ihr Geld nicht gleich wieder aus dem Kontinent abziehen.
Als Stiftung Solarenergie können wir diese Entwicklung nicht ändern, aber mit unseren Projekten doch zeigen, dass es auch anders geht. Viele junge Ostafrikaner/innen sehen in der Solartechnik eine Möglichkeit, sich eine berufliche Existenz aufzubauen. Daher unterstützen wir junge Menschen nicht nur mit einer Ausbildung in Solartechnik, sondern auch beim Aufbau ihrer solaren Handwerksbetriebe.
Wir tun dies durch unsere Initiative Startup|Energy und durch unsere in Uganda mit aufgebaute Ausbildungsstätte SENDEA.
Die Solardörfer haben in dieser neuen Zielsetzung eine veränderte Bedeutung. Wir nutzen das Konzept in kleinerem Umfang weiter, um ausgewählten Jungunternehmer/innen die Möglichkeit zu geben, ein öffentlichkeitswirksames Pilotprojekt umzusetzen. Ein solches Projekt verschafft ihnen einerseits praktische Erfahrung und andererseits Bekanntheit in der lokalen Bevölkerung.
Begleitet wird die Umsetzung dann jeweils durch erfahrene lokale Coaches, die in der Regel selbst als Unternehmer tätig sind.
Wie im Ursprungskonzept der Solardörfer wird auch weiterhin den Haushalten eines Dorfes der Erwerb einer Solaranlage mittels Kleinkredites ermöglicht. Auch dies dient letztlich der Ausbildung für das junge Installationsunternehmen: So können eine saubere Buchführung und ein gutes Finanzmanagement ebenso wie Kundenservice und Wartung trainiert werden.